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MELDUNG VOM 25.1.06
Sozialforscher:
Hartz IV hat Armut bis in die Mittelschicht
getragen
Mülheim/Ruhr (epd).
Der Kölner Politikwissenschaftler Christoph
Butterwegge hat die Auswirkungen der Hartz-Reformen
auf die Gesellschaft als "katastrophal"
bewertet.
Die Armut habe sich vergrößert
und bis in die Mittelschicht hinein ausgebreitet,
sagte Butterwegge am Mittwoch in Mülheim/Ruhr
auf der Fachtagung "Armut breitet sich
aus" der Caritas in NRW. Während
vor der Reform 965.000 Kinder und Jugendliche
unter 15 Jahren von Armut betroffen waren,
sei die Zahl inzwischen auf rund 1,5 Millionen
angestiegen, sagte der Sozialforscher. Darüber
hinaus gebe es schätzungsweise noch
eine Dunkelziffer von 200.000 Menschen.
Die Entwicklung interpretierte
der Kölner Politologe als Wandel vom
"Wohlfahrtsstaat zu einem nationalen
Wettbewerbsstaat". Dabei sei Hartz
IV nicht das Ergebnis einer Entwicklung,
sondern bloß "ein Baustein"
auf dem Wege, dass sich der Staat "aus
seiner Verantwortung verabschiedet",
sagte Butterwegge. Das eigentliche Ziel
der Reform, die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen,
werde verfehlt, weil Förderung und
Weiterbildung nicht mehr stattfinde.
Auch Heinz-Josef Kessmann,
Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft
Integration durch Arbeit (IDA) und Caritas-Direktor
im Bistum Münster, sieht die Erwartungen
in die Arbeitsmarktreform als "nicht
erfüllt" an. Für den größten
Teil der Sozialhilfeempfänger habe
sich die Situation dramatisch verschlechtert,
sagte Kessmann. Das zeige sich daran, dass
sich Bedürftige zunehmend verschuldeten,
weil sie mit dem Regelsatz von 345 Euro
pro Monat nicht auskämen. Als Folge
davon stelle die Caritas in ihren Kleiderstuben
und Essens-Tafeln einen erhöhten Zulauf
fest.
Auch für junge Menschen
hat sich nach Kessmanns Worten die Lage
"nicht verbessert, sondern eher verschlechtert".
Die Ein-Euro-Jobs hätten sich bisher
in den wenigsten Fällen als Sprungbrett
in den ersten Arbeitsmarkt erwiesen. Der
Caritasdirektor sieht in der Reform einen
"Paradigmenwechsel" in der Sozialpolitik:
"Nicht die Unterstützung der Hilfsbedürftigen,
sondern die Verringerung der gesellschaftlichen
Kosten steht im Mittelpunkt."
26.01.2006
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