Arbeitslosen-Treff Odenwald

 

 

Arbeitslosigkeit kann jeden treffen

– auch im Odenwaldkreis

In den letzten Jahrzehnten ist Erwerbslosigkeit in Deutschland von einer Randerscheinung zu einem Massenphänomen geworden. Der Grund dafür liegt in den meisten Fällen nicht im Verhalten der Betroffenen sondern im strukturell bedingten Fehlen von Arbeitsplätzen. Dennoch wird Erwerbslosigkeit nach wie vor in der gesellschaftlichen Diskussion oft als individuelles Versagen gedeutet.

Erwerbslosigkeit ist eine der Hauptursachen für die wachsende Armut, die unsere Gesellschaft zunehmend spaltet. Gleichzeitig wird das gesellschaftliche Klima kälter, das „Ellenbogendenken“ nimmt zu. Die Tendenz zur Entsolidarisierung spiegelt sich auch in vielen sozialpolitischen Entscheidungen der letzten Jahre wider.

Arbeitslosigkeit kann jeden treffen - auch im Odenwaldkreis.

Zur Mitte des Jahres 2006 gab es im Odenwaldkreis über 3000 ALG-II Bedarfsgemeinschaften mit über 6000 Personen, davon über 1000 Kinder und Jugendliche. Betroffene erleben auch hier eine gesellschaftliche Tabuisierung ihrer Situation und eine Stigmatisierung durch andere Menschen. Betroffene erzählen von Erfahrungen mit Behörden, die sie nicht selten als Kränkung und Demütigung erleben.

Hinzu kommen steigende Lebenshaltungskosten, die auch vor dem Odenwald nicht Halt machen. Von Erwerbslosigkeit betroffene Menschen sind deshalb auf unsere Solidarität angewiesen.

Arbeitslosigkeit kann jeden treffen – mit weit reichenden Folgen.

Erwerbslosigkeit führt zu einem Ausschluss von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Schnell fehlt das Geld für notwendige Reparaturen, die Tageszeitung, für Bus und Bahn oder den Veranstaltungsbesuch.

Erwerbslosigkeit macht krank. „Was bin ich noch wert ohne Arbeit?“, fragen sich viele Betroffene. Oft schmerzt die Reaktion der Umwelt so sehr wie die ökonomische Not. Nur wenige schaffen es, ihre Situation auch als Chance wahrzunehmen, Zeit zu haben für die Familie, für ehrenamtliches Engagement, zum Nachdenken.

Wir dürfen nie vergessen: Jeder Mensch besitzt Würde unabhängig von seinem Einkommen. Das Leben hat seinen Wert unabhängig von Erwerbsarbeit!

Arbeitslosigkeit kann jeden treffen – was würde ich von Anderen an Respekt und Solidarität erwarten, wenn ich arbeitslos wäre?

Erwerbslose und Interessenvertretungen haben begonnen, sich zu vernetzen – ein erster Schritt der Solidarität. Wir alle können versuchen etwas beizutragen gegen die Tabuisierung und Stigmatisierung erwerbsloser Menschen.

Diesem Anliegen will Kompass - der Arbeitslosentreff Odenwald und auch dieser Internetauftritt dienen!

Heinz Jöst